Bayerisches Dähnepokalfinale 2019

Bayerisches Dähnepokalfinale 2019

Philipp Müller siegt im Bayerischen Dähnepokal

… und ist damit für die Deutsche Pokalmeisterschaft 2020 in Magdeburg dabei …

Nun erst einmal der Reihe nach. Nach den Siegen auf Kreis- und Bezirksebene des Dähnepokals war ich für die zentrale Endrunden in Kelheim qualifiziert. Da Bayern aus acht Bezirken besteht und jeder Bezirk seinen Bezirksbesten entsendet, hätten in Kelheim ein Viertel-, ein Halb- sowie das Finale ausgetragen werden sollen. Da jedoch gleich drei Bezirke keinen (!) Spieler entsendeten, waren nur fünf Spieler qualifiziert, von denen zwei gegeneinander das Viertelfinale austrugen. Die anderen drei Spieler, einschließlich meiner Wenigkeit, standen schon fürs Halbfinale fest.

So hieß es am Samstagvormittag, 14. September, auf mit dem Zug nach Kelheim. Die Zugfahrt bestand aus zweimaligem Umsteigen und dauerte zwei bis zweieinhalb Stunden, je nachdem ob man die Wartepausen mitzählt.

Dort angekommen, warten schon alle Halbfinalspieler sehnsüchtig, da diese bequemer mit dem Auto angereist waren, und es ging sogleich los. Keine Vorbereitungszeit. Ich erfragte lieber nicht, seit wann mein Gegner wusste, dass er gegen mich spielen würde. Egal wie geantwortet worden wäre, was hätte es mir gebracht. Immerhin spielte ich mit den weißen Steinen.

Mein Gegner Patrik-Robert Maruntis behandelte meine Englische Eröffnung mit einem Königsindischen Aufbau. Nach ein paar Zügen, die wir relativ flott spielten, erreichten wir folgende Diagrammstellung:

Mein Gegner befürchtete wohl, dass ein Springer auf c5 mittels b2-b4 weggejagt werden würde. Also gruppierte er ihn über a6 nach c7, von wo aus er weiter nach e6 manövrieren könnte oder er aber den Zentrumsvormarsch …d6-d5 unterstützen könnte.

In einer ähnlichen Struktur, die ich beim AFRO 2017 hatte, entschied ich mich mal für f2-f4, um auf diese Weise am Königsflügel zu expandieren. In der damaligen Heimanalyse stellte ich dann fest, dass der Computer eher d3-d4 sehen möchte. Ein verzögertes Vollzentrum genau in dem Moment, in welchem Schwarz selbst …d5 plant bzw. nicht mit d3-d4 rechnet. Dank Erfahrung fand ich so das ambitionierte 11.d4! Die Sequenz 11…b5 12.cxb5 cxb5 13.b4 waren von uns beide jeweils beste Züge.

13…a4?! hingegen war eine Ungenauigkeit. Die Stellung gibt diesen Tempoverlust/Nichtentwicklungszug nicht her:

Mit 14.f4!? unterstrich ich meine Zentrums- sowie Expansionsbemühungen. Auch in Betracht kam 14.h3!?, 14.Dc2 oder auch 14.Lg5.

Nach 14…Sd7?! war es nun an mir, 15.dxe5 dxe5 16.Le3 exf4 17.gxf4 Lb7 18.De1 f5 19.Td1 mit deutlichem weißen Vorteil zu finden.

Stattdessen wählte ich 15.fxe5? dxe5 16.d5 und bildete einen gedeckten Freibauern. Diese Idee wäre eigentlich auch ganz plausibel, hätte mein Gegner nicht stark 16…Se8!, um den d5-Freibauern auf d6 zu blockieren, wie es schon Nimzowitsch der Schachwelt erklärte…

Ich biss in den sauren Apfel und entwickelte mich weiter, so gut meine Figuren jedenfalls Felder fanden …. 17.Le3 Sd6 18.Dd3?!

Nach weiter 18…Sb6! 19.Lc5 Sbc4 20.Tbe1 Ld7 stünde Schwarz bereit, mit …f5 zu hebeln. Weiß wäre ziemlich in der Klemme. Aus nachvollziehbaren Gründen wollte Schwarz jedoch meinen schwarzfeldrigen Läufer nicht zu früh nach c5 entwickeln lassen und bevorzugte 18…La6?!

Nach 19.Sd1, um den Springer umzugruppieren und das schlechte Springerpaar c3-e2, die sich ineffizient gegenseitig anstieren, 19…Sb6?! 20.Lc5 Sbc4?! 21.Se3 wendete sich das Blatt wieder zu meinen Gunsten. Läufer nach a6 war eine grobe Deplatzierung der Leichtfigur. Dieses Zugeständnis hätte man mit 21…Lc8 verbessern können, aber mein Gegner zog weiter 21…Dc7?! und schätzte die Bauernstrukturveränderung nach 22.Sxc4! bxc4 23.De3 falsch ein. Klar, bekam der Schwarze einen Freibauern auf c4, jedoch war dieser reichlich isoliert von seinen anderen Figuren.

Weiter ging es mit 23…Tab8 24.Sc3 Lb5 25.Tbc1?!, was dem Gegner die Gelegenheit zu 25…Ld7 gab, ein Zug, welcher für Schwarz einerseits logisch, aber andererseits psychologisch schwierig ist – schon wieder den weißfeldrigen Läufer ziehen??

Aber … 25…Tfc8? 26.Lh3 Ld7 27.Lxd7 Dxd7 28.Lxd6 Dxd6 29.Sxa4 gewann ganz simpel einen Bauern für Weiß.

Mein Gegner wollte noch nicht aufgeben, dafür war die Stellung noch nicht verloren genug. Weiß hatte natürlich klare Stellungsvorteile und eine Gewinnstellung, aber Schwarz musste sich hier unbedingt noch ein paar Züge zeigen lassen. Daher kam trickreich 29…Lf8! und ich fiel prompt hinein, ohne dass es ihm aufgefallen wäre:

Welchen logisch dreinschauenden Zug sollte Weiß hier besser nicht spielen?

Richtig, 30.Sc5? war aufgrund von 30…Dxc5!! 31.bxc5 Lxc5 32.Dxc5 Txc5 und remisiges Endspiel eine Katastrophe für mich. Mein Gegner gab das Kompliment zurück und verzichtete auf die Taktik, 30…f5? 31.Txc4 f4 32.Dc3 g5 33.Kh1 Kh8 34.gxf4 gxf4 35.Txf4 Dh6 36.Tg4?! Dh5 37.Dg3?! Lxc5 38.Txc5! Txc5 39.bxc5 Tb1+ 40.Kg2 Tb2+ 41.Kg1 Tb1+ 42.Kg2 Tb2+ 43.Kf1 Df7+ 44.Ke1 – es war noch nicht zu spät, mit 44.Kg1??? Tb1+ 45.Kg2 Df1# ins Selbstmatt zu laufen.

Mein Gegner war nun dem ohnehin nicht so tragischen Irrtum aufgesessen, dass er sich mittels 44…Te2+ 45.Kxe2 Df3+ ins Patt retten könnte und gab nach 46.Dxf3 auf, denn sein h-Bauer war freilich noch beweglich und somit Matt in zwei statt Patt.

Damit war das Finale eingetütet und somit auch die Qualifikation für die Deutsche Pokalmeisterschaft 2020. Es stellte sich lediglich die Frage, ob ich nächstes Jahr als Bayerischer Pokalsieger Magdeburg bereisen würde. Mein Finalgegner und ich kamen darüber überein, dass wir das Finale am Folgetag wie ausgeschrieben spielen würden. Ich hatte wenig Lust, in Kelheim zu übernachten, also begab ich mich wieder nach Augsburg, um am nächsten Morgen wieder nach Kelheim zu fahren.

 

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